Schwierige Geschichte der Tiroler Kunst im Nationalsozialismus

Am 19. März hatten rund 30 Mitglieder des Freundeskreises des Tiroler Volkskunstmuseums mit Obfrau Herlinde Keuschnigg und des Forums Land mit Geschäftsführerin MMag. Christina Manzl die Gelegenheit, mit Kurator Dr. Günther Dankl die im Tiroler Landesmuseum-Ferdinandeum präsentierte Ausstellung „Zwischen Ideologie, Anpassung und Verfolgung. Kunst und Nationalsozialismus in Tirol" zu sehen.

Mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurden auch in Tirol alle beste­henden Künstlervereinigungen und -bünde aufgelöst. Künst­ler waren angehalten, der Reichskammer der bildenden Künste, der sog. Reichskunstkammer, als einziger verbind­licher Standes- und Berufsvertretung beizutreten. Doch nur wer einen „Ariernachweis" erbringen konnte, als „politisch zu­verlässig" galt und „arteigene" Kunst produzierte, konnte als Mitglied an den offiziellen Gau-Kunst-Ausstellungen von 1940 bis 1944 teilnehmen. Vor diesem Hintergrund beleuchtet die Ausstellung die öffent­liche Kunst ebenso wie deren „Betriebssystem" zur Zeit des Nationalsozialismus in Tirol: v.a. Ausstellungswesen, Reichskunstkammer und Geschichte des Ferdinandeums. Im Fokus steht die thematische Analyse der in den Gau-Kunst-Ausstel­lungen gezeigten Kunstwerke Tiroler und Südtiroler Künstler­. Weitere Schwerpunkte bilden Heimatfotografie und Architektur, am Beispiel des 1938/39 errichteten Gauhauses, dem heutigen Landhaus. Werke verbotener, vertriebener und internierter Künstler wer­den ebenso berücksichtigt. In einem eigenen Bereich wird das Schicksal des Kufsteiner Malers und Radierers Harald Picken dargestellt, der von 1939 bis 1945 als politischer Häftling auch in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Da­chau interniert war. In seinen Radierungen, Zeichnungen und Skizzen hat der Künstler das Grauen im Konzentrationslager festgehalten. Mit in die Ausstellung eingebunden sind zeitgenössische Kunst-Kommentare von Martin Gostner, Tatiana Lecomte, Marcel Odenbach und Johanna Tinzl.Ziel der Ausstellung ist es, einen Einblick in die Kunst dieser von Krieg und Ideologie geprägten Jahre zu geben und den oftmals schmal verlaufenden Grat von „angepasster", „ideolo­gischer" und „negierter" Kunst während der Zeit des National­sozialismus in Tirol aufzuzeigen. (Dr. Heinz Wieser)

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