Für Gott, Kaiser und Vaterland?

Ausstellung über "Propaganda im Ersten Weltkrieg in Tirol" im Tirol-Panorama am Bergisel

Im Tirol-Panorama am Bergisel wird in der bis 24. April des kommenden Jahres geöffneten Ausstellung “Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ ein interessantes Thema zur Frage der Propaganda im Ersten Weltkrieg in Tirol behandelt. Dieser Frage gingen auch die Mitglieder des Freundeskreises des Tiroler Volkskunstmuseums nach, die mit ihrer Obfrau, Herlinde Keuschnigg, am 22. Oktober diese Schau unter Führung der Kuratorin Dr. Sonja Buchroithner, die seit vergangenem Dezember auch Leiterin des Bergisel Panoramas ist,  besuchten. Während des Ersten Weltkriegs wurden auch in Tirol zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Bevölkerung für den Krieg zu begeistern und die Akzeptanz für politische oder militärische Entscheidungen zu sichern. Neben Film, Fotografie und Zensur zählten Kriegsspielzeug, Kriegstagebücher und die sogenannte „Kriegsstunde“ im Schulunterricht zu den gängigen Propagandamitteln. Anhand historischer Sammlungsobjekte spürt diese Ausstellung im Kaiserjägermuseum der systematischen Manipulation der Menschen vor allem im Alltagsleben nach. Die Ausstellung geht auf die persönliche Ebene. also auch auf den Alltag ein. Daher ist  neben der offiziellen Kriegspropaganda in Form von Plakaten, Postkarten und Gemälden auch patriotisches Material zu sehen.

Propagandapostkarte 1915

 Für die Kuratorin sehr bedenklich ist aber, dass die Kriegspropaganda bis in die Kinderzimmer mit Spielen oder Malbüchern durchgedrungen ist. Der Krieg wird auch auf öffentlichen Plätzen allgegenwärtig. Die Aufforderung zur Zeichnung von Kriegsanleihen und die Nagelung von Figuren gegen Abgabe einer Spende erfüllen neben dem wirtschaftlichen Aspekt vor allem auch propagandistische Zwecke. Die kostspieligen Kriegshandlungen werden wie fast überall durch Kredite bei der eigenen Bevölkerung finanziert. Zu diesem Zweck werden Kriegsanleihen aufgelegt. Diese Anleihen werden im öffentlichen Raum stark beworben, man misst ihnen kriegsentscheidende Wichtigkeit zu. Aus diesem Grund findet man auf diesen Plakaten eine besonders mitreißende künstlerische Gestaltung sowie eine große Vielfalt in Motivwahl und Stilistik. Diese spricht nicht nur den patriotischen Beitragswillen, sondern auch eigene wirtschaftliche Interessen an, indem Investitionen in den Krieg als die beste Möglichkeit dargestellt werden, sein Geld sicher und gewinnbringend anzulegen. Kriegsnagelungen sind nicht nur beliebte Einnahmequellen, sondern werden neben der Mittelbeschaffung vor allem als Propagandamaßnahmen eingesetzt. Patriotismus wie auch ein Gemeinschaftsgefühl der Bevölkerung werden gestärkt, was sich durchaus positiv auf die Heimatfront auswirkt und das Durchhaltegefühl fördert.

Dr. Heinz Wieser

 

 

 

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