Volkskunstmuseums-Besonderheiten

Altes Arzneibüchlein mit historischen Rezepten der Kräuterheilkunde. Die Weinberghüter, in Tirol meist Saltner genannt, zur Abschreckung von Eindringlingen in den Weinbergen

 Foto: Altes Arzneibüchlein, vermutlich aus der maximilianischen Zeit

Museumsleiter Dr. Michael Span und dessen wissenschaftliche Mitarbeiterin, Jutta Profanter M.A., boten bei der Führung für die Freunde des Tiroler Volkskunstmuseums mit Obfrau Herlinde Keuschnigg und Mitgliedern des Forum Land Besonderheiten aus der Sammlung des Tiroler Volkskunstmuseums. So stellte Dr. Span ein altes Arzneibüchlein vor, das sich seit 1927 in der Sammlung des Volkskunstmuseums befindet. Darin sind allerlei historische Rezepte der Kräuterheilkunde nach zu lesen. Es handelt sich dabei um ein kultur- und medizingeschichtlich sehr spannendes Objekt, das aufgrund jüngster Nachforschungen wesentlich deutlicher datiert und auch lokal verortet werden kann, als das bis jetzt der Fall war. Der Einband weist auf die Zeit Kaiser Maximilian I. zurück, die Rezepte wurden über Jahrhunderte von Generationen von Badern oder Wundärzten eingetragen. Das Büchlein soll in in nächster Zeit auch noch eingehender erforscht werden.

Foto: Weinberghüter,sogenannter Saltner

Jutta Profanter widmete sich einer Tiroler Ikone: dem Saltner, der als lebensgroße Figur in der Dauerausstellung des Volkskunstmuseums zu sehen ist. Die Weinberghüter, in Tirol meist Saltner (vom Lateinischen saltuarius-Flurhüter, Grundstückshüter) genannt, bewachten zwischen Mariä Himmelfahrt (15. August) und der Weinlese im Herbst die Reben vor Vögeln und Dieben. Dieses angesehene Amt wurde von ehrbaren Männern ausgeübt, die ihre Tracht oft mit Tiertrophäen schmückten, um somit noch furchterregender zu erscheinen. Mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs im 19. Jahrhundert wurden sie gerade im Burggrafenamt zur touristischen Attraktion und beliebten Fotomotiv. Zu sehen im Tiroler Volkskunstmuseum ist also ein Weinberghüter aus Meran von Virgil Rainer, 1927. Bekleidet von knielanger Lederhose, Leinenhemd, roten Brustfleck und Ledergoller mit angenestelten Ärmeln. Der Kopfputz aus Fuchsbälgen, Hahnen-, Fasanen-, Spielhahn- und anderen Federn und die Kette aus Muscheln und Eberzähnen, die im Gehen ein rasselndes Geräusch erzeugte, sollten die Eindringlinge im Weinberg abschrecken.Die Tageszeitung „Bozner Nachrichten“ schrieb am 21. August 1920: "In alter Tracht. Von den drei in Algund aufgestellten Saltnern geht einer, wie der „Der Burggräfler“ berichtet, noch in der alten Tracht, nämlich der weitbekannte „Pöller Luis“, dem die Hut in Mitter- und Oberplars anvertraut ist. Schade, dass die meisten Saltner die einzig dastehende Saltnertracht mit einer Art Soldatenmontur vertauscht haben. Damit wurde ein großes Stück Volkstum des Burggrafenamts beseitigt. Alle Achtung vor dem Plarser Saltner. Möge er wieder Nachahmer finden!"

Dr. Heinz Wieser

 



 

Kontakt

Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums

A-6020 Innsbruck
Universitätsstraße 2
Österreich

info@freundeskreis-volkskunstmuseum.at

Mitglied werden

Wir laden Sie herzlich ein, Mitglied beim Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums zu werden.

mehr dazu

Volkskunstmuseum

Seit 1888 präsentieren wir Volkskunst und Moderne aus Tirol im Spannungsfeld zwischen Dauer und Veränderung.

mehr dazu

Share Tweet Mail Whatsapp

Freundeskreis des Tiroler Volkskunstmuseums
ImpressumLinksammlungHaftungsausschlussDatenschutz

powered by webEdition CMS